GLASTECHNIKEN

Einfaches Fadenglas

Fadenstäbchen in zwei Farben werden in einer Vorrichtung aufgestellt, mit einem Klarglasposten aufgenommen und verdreht. Durch die extrem exakte Ausführung entsteht der optische Eindruck eines Netzglases.

Glasmacher Richard Seidl

Fadenglas in Reticello-Technik

Bei der venezianischen Reticello-Technik werden zwei  Lagen von Fadenstäben auf die Schaufel genommen, aufgerollt und verdreht, wobei die Lagen idealerweise Rauten bilden, zwischen denen eine Luftblase entsteht (hier gut zu erkennen). Dies ist eine extrem anspruchsvolle Technik.

Glasmacher Richard Seidl

Fadenglas Mascherl in Schaufeltechnik

Zunächst muss der Glasmacher die Mascherlstäbe herstellen (s. gesonderte Beschreibung). Die Mascherlstäbe werden von der Schaufel aufgenommen und müssen möglichst gerade bleiben! Verdrehung wäre hier ein technischer Mangel!

Glasmacher Heinz Dick

Fadenglas Mascherl, überstochen

Hier werden die Mascherlstäbe nicht von der Schaufel, sondern aus einer Vorrichtung aufgenommen und sind deshalb in der Kristallglasmasse eingebettet. Dadurch ist es möglich, das Glasl mit einem Schliff zu veredeln. Hier einfacher Formschliff mit einem Spiegel.

Glasmacher Richard Seidl

Formschliff Franz Kufner

Fadenglas mit aufliegendem Klarglasfaden ("messergesponnen")

Der Glasmacher stellt zunächst ein normales Fadenglas her, hier mit rubinroter Innenblase. Außen bringt er von einem Hefteisen unter Zuhilfenahme eines Messers gleichmäßig einen dünnen Klarglasfaden auf. Hierdurch entsteht eine Lichtbrechung, so dass der Faden versetzt erscheint.

Glasmacher Rainer Pscheidl

Fadenglas Mascherl in komplexer Kombinationstechnik

Der Glasmacher legt auf der Schaufel Mascherlstäbe in unterschiedlicher Ausrichtung aus, rollt sie auf das Kölbl und verdreht die Stäbe dabei.

Klingt leichter als es ist!

Glasmacher Rainer Pscheidl

Fadenglas Mascherl in Umsetztechnik

Das fertig geformte Mascherlkölbl wird an dem Seitenband mit dem Schneidbrenner durchgebrannt und an das entstandene Loch eine zweite Pfeife angesetzt, die später den späteren Kragen aus dunklem Glas trägt. Das so um 90° versetzte Glas kann nun am ursprünglichen Nabel plattgedrückt werden - was anfangs unten war, ist nun der Spiegel des Glases.Es ergeben sich ganz neue Gestaltungsmöglichkeiten.

Diese Art der Umsetzung des Kragens ist die von Rainer Pscheidl bevorzugte, da die Stäbe mit dem Ansetzen eines neuen Kragens nicht verzogen werden.

Glasmacher Rainer Pscheidl

Fadenglas Mascherl in Umsetztechnik

Das fertig geformte Mascherlkölbl wird an dem Seitenband mit dem Schneidbrenner durchgebrannt und an das entstandene Loch eine zweite Pfeife angesetzt, die später den späteren Kragen aus dunklem Glas trägt. Das so um 90° versetzte Glas kann nun am ursprünglichen Nabel plattgedrückt werden - was anfangs unten war, ist nun der Spiegel des Glases. Es ergeben sich ganz neue Gestaltungsmöglichkeiten.

Diese Art der Umsetzung des Kragens ist die von Rainer Pscheidl bevorzugte, da die Stäbe mit dem Ansetzen eines neuen Kragens nicht verzogen werden.

Glasmacher Rainer Pscheidl

Fadenglas in Umsetztechnik

Eine andere Art der Umsetzung verfolgt der Glasmacher Torsten Schubert, der ebenfalls um 90° versetzt das Glas durchbrennt, dann aber die zweite Pfeifen nur ansetzt, um aus der vorhandenen Glasmasse einen "neuen" Kragen zu ziehen.

Hierbei wird der Fadenglasbestand natürlich verzerrt, was aber gewolltes gestalterisches Element ist. Der ursprüngliche Nabel kann (wie hier) genau im Zentrum plattgedrückt werden, aber auch an jeder anderen gewollten Stelle.

Dies ist die gestalterische Entfesselung des Fadenglases!

"Geschleudertes" Fadenglas

Der Glasmacher bringt auf das Glas mit opaker Innenblase einen zweifarbigen Faden auf und bläst den Kolben in eine Vorrichtung ("Optischer"), wodurch der Faden gerissen wird und nun wie einzelne, um das Glas geschleuderte Perlen aussieht.

Sehr reizvolle Technik, da der Effekt nicht genau planbar ist!

Glasmacher Günther Baumgartner

Fadenglas in Kammzugtechnik ("Gerissenes")

Der Glasmacher bringt auf das Glas mehrere breite Farbbänder auf und zieht mit einem Haken durch die glühende Masse, wodurch die Bänder U-förmig Richtung Kragen gerissen werden.

Glasmacher Richard Seidl

Breitgeschnürltes Fadenglas

Bänder mit mehreren Farben (hier: hellblau, dunkelblau und rot) werden aus der Vorrichtung mit Klarglas aufgenommen und verdreht. Durch die Transparenz entsteht der besonders reizvolle Überkreuzungseffekt, hier perfekt ausgeführt.

Glasmacher Richard Seidl

Bandlglas

Wie bei den Mascherln sind auch die Farbbänder vorgefertigt: Auf Emailweiß wurden hier unterschiedlich breite Opakglasstreifen aufgebracht und dann in der Vorrichtung stehend auf das Kölbl gebracht. Sie müssen gerade bleiben, eine Verdrehung ist zu vermeiden.

Veredelt wurde hier durch einen einfachen Formschliff. Eine sehr elegante, besonders für kleine, gebrauchstüchtige Büchsl geeignete Technik.

Glasmacher Richard Seidl

Schleifer Franz Kufner

Hohlgeschnürltes Glas, zweifarbig

Das innen und außen mit einer transparenten Farbschicht versehene Kölbl wird in einen Optischen mit mehrfacher Teilung geblasen, wodurch Hohlkanäle entstehen, die sich nach dem Herausziehen aus der Vorrichtung sofort verschließen und so erhalten bleiben.

Veredelt wurde auch hier durch einen einfachen Formschliff mit Doppelspiegel.

Glasmacher Michael Jungwirt

Schleifer Franz Kufner

Farbglas in Pezzato-Technik

Ebenfalls aus Venedig stammt die Pezzato-Technik, bei der hier transparente Farbplättchen auf einer Schaufel ausgelegt und aufgerollt werden

Die Glasmacher der Glasfachschule Zwiesel haben in den vergangenen Jahren viel mit venezianischen Glastechniken experimentiert und verblüffende Neuerungen in der Gestaltung erzielt!

Glasmacher Alois Saller

Opakglas in Murrine-Technik

Die populärste venezianische Glastechnik ist die Verarbeitung von Murrine,  bei der die runden Plättchen von einer zuvor gestalteten Farbglasstange abgesägt werden.

Die Murrine werden auf der Schaufel zu einem schönen Muster ausgelegt und dann mit dem Kölbl aufgenommen und in üblicher Weise weiterverarbeitet.

​Glasmacher Johann Auerbeck

Formschliff Thomas Kufner

Marmoriertes Steinglas

Eine vollkommen andere Technik ist zur Herstellung eines Steinglases erforderlich. Hier wird aus Glaspellets mit mehreren Farben eine zähe Schmelze hergestellt, die durch willkürliches Rühren eine achatähnliche Struktur erhält. Hieraus wird dann im herkömmlichen Verfahren ein Tabakglas geblasen.

Veredelung durch einen einfachen, aber eleganten Formschliff

Glasmacher Heinz Dick

Schleifer Thomas Kufner

Überfangglas mit Feinschliff

Bei der Überfangtechnik werden mehrere Farbschichten im sogenannten Mantelüberfang übereinandergelegt, wobei die Stärke der Farbschicht über das gesamte Büchsl möglichst gleichmäßig sein muss. Der so entstehende Rohling zeigt nur die äußere Farbschicht (hier: kupferrot).

Die Arbeit des Veredlers (Feinschliff bzw. Gravur) besteht nun darin, die unterschiedlichen Farben in einem geometrischen Muster freizulegen. Dies ist eine extrem aufwendige Arbeit, die die Überfanggläser zu den wertvollsten Tabakgläsern macht.

Es wurden bis zu sieben Farbschichten gefertigt. Die Zählweise folgt der Anzahl der  Außenschichten unter Hinzuzählung eines Innenüberfangs. Bei dem gezeigten Glas handelt es sich also um einen um einen 6fach-Überfang (5 Außen- und eine Innenschicht).

Glasmacher Michael Jungwirt

Schleifer/Graveur Thomas Kufner

Überfangglas mit Kunstgravur

Bei der Überfangtechnik werden mehrere Farbschichten im sogenannten Mantelüberfang übereinandergelgt, wobei die Stärke der Farbschicht über das gesamte Büchsl möglichst gleichmäßig sein muss. Der so entstehende Rohling zeigt nur die äußere Farbschicht (hier: kupferrot).

Die Arbeit des Veredlers (Feinschliff bzw. Gravur) besteht nun darin, die unterschiedlichen Farben freizulegen, was der Gestaltung viel künstlerischen Freiraum gibt, vor allem, weil plastisch wirkende Schattierungen möglich sind . Dies ist eine extrem aufwendige Arbeit, die die Überfanggläser zu den wertvollsten Tabakgläsern macht.

 

Glasmacher Michael Jungwirt

 

Schleifer/Graveur Christian Schmid "Chrisch"

Farbglas mit Zierschliff

Bei den Farbgläsern stellt der Glasmacher nur einen einfachen Rohling her. Diese Gläser gewinnen ihren Reiz erst durch mehr oder weniger aufwendige Schliffverzierung des Veredlers.

Reizvoll kann es bei den Farbgläser außerdem sein, die Hafenfarben einer bestimmten Hütte möglichst vollständig zu haben. Bei dem hier gezeigten Glas handelt es sich um tintenblau der Poschingerhütte, Frauenau.

Glasmacher Johann Auerbeck

Schleifer Thomas Kufner

Farbglas in Sonderfarbe Alexandrit

Die Farbe "Alexandrit" ist ursprüglich eine Farbe der berühmten Moser-Hütte in Karlsbad, die durch die Zugabe der Seltenen Erde Neodymium entsteht. Das Glas hat die Eigenschaft in Kunstlicht purpurviolett, im Tageslicht hingegen hellblau zu erscheinen. In Anlehnung an den Edelstein Alexandrit, der ebenfalls einen Farbwechsel vollzieht (man spricht dann von Dichroismus) erhielt diese Sonderfarbe ihren Namen. Heute wird diese Farbe (außerhalb der Moserhütte) in Zapfenform hergestellt, was eine portionsweise Verarbeitung an einem kleinen Ofen ermöglicht.

Bei dem abgebildeten Glas handelt es sich um ein sogenanntes Herzlglas (Kerbe in der Mitte) oder (etwas derber) auch als "d'Houdn" bezeichnet.

Glasmacher Heinz Dick

Schleifer Franz Stadler

Farbglas in modernem Formschliff

Der Rohling dieses Glases stammt von der Hütte Poschinger, Bezeichnung dort "Russischgrün".

In die dickwandige Ausführung des Glases konnte der Schleifer besonders tief hineinarbeiten und einen effektvollen, asymetrischen Flächenschliff erzielen.

Glasmacher Ewald Wolf

Schleifer Erwin Schmierer

Mehrfarbiges Farbglas

Mitte der 1990er Jahre gab es einen kurzen aber heftigen "Hype" auf mehrfarbige Farbgläser, seien sie aus Opakfarben zusammengesetzt oder wie hier aus Transparentfarben. Die beiden mittleren Farben werden dabei vom Zapfen aufgeschnitten und mit dem Wulgerholz eingearbeitet.

 

Glasmacher Michael Jungwirt

Schliff Franz Kufner

Freihandform "Wetzstein"

Wird der Glaskolben in die Länge gezogen, entsteht eine zapfenförmige Gestalt, die nach dem Flachdrücken wie ein Wetzstein aussieht.

Dies ist eine sehr beliebte Freihandform, da sie an eines der wichtigsten bäuerlichen Arbeitsutensilien erinnert! Veredlung durch umlaufenden Kerbschliff.

Glasmacher Heinz Dick

Schliff Franz Stadler

Freihandform "Geige"

Wird der Glaskolben in die Länge gezogen und gekröpft, entsteht eine Doppelkugel, die nach dem Flachdrücken wie eine Geige aussieht.

Auch dies ist eine sehr beliebte Freihandform, da sie an eine der wenigen Freizeitgestaltungen der Altvorderen erinnert: Die Volksmusik!

Das hier gezeigte Stück ist in der Uranfarbe annagelb ausgeführt und äußerst aufwendig mit Steinel- und Walzenschliff veredelt.

Glasmacher Heinz Dick

Schliff Thomas Kufner

Freihandform "Stiefel"

Wird der Glaskolben in die Länge gezogen und am Ende umgebogen, entsteht eine zapfenförmige Gestalt, die einem Stiefel ähnelt.

Auch dies ist eine sehr beliebte Freihandform, die im Wirthaus mit den Trinkstiefeln ihre Entsprechung fand.

Das hier gezeigte Stück ist wiederum aufwendig mit Steinel- und Walzenschliff veredelt.

Glasmacher Xaver Weber

Schliff Franz Kufner

Freihandform "Neidfaust"

Wird der Glaskolben mit der Glasmacherschere vier Mal eingeschnitten und die entstehenden Enden umgebogen bzw. überkreuzt, entsteht eine geballte Faust mit durchgestecktem Daumen, was obszöne Geste der Verachtung ist, die auf die Verhöhnung Christi am Kreuz zurückgehen soll.

Auch dies ist eine sehr beliebte Freihandform, die im Wirtshaus vor allem der Abwehr allzu dreister Schnorrer von Schnupftabak diente.

Das hier gezeigte Stück ist eine seltene, kupferhaltige Uranfarbe, die in den 1980er Jahren des vorigen Jahrtausends bei der Eisch-Hütte produziert und serienmäßig ausgeführt wurde.

Glasmacher leider unbekannt

Bemaltes Opakglas

Ein ganz eigenständiges Veredlungsgebiet ist natürlich die Glasmalerei. Waren es früher Malereien mit unmittelbarem persönlichen Bezug des Schnupfers, so sind der Phantasie heute keine Grenzen mehr gesetzt.

Beliebte Motive sind z.B. Comicszenen, Jugendstilmalerei oder berühmte Buchillustrationen. Bevorzugter Rohling des Malers ist weißes Opakglas oder Milchglas, da es farbneutral ist und die aufgetragenen Farben verstärkt, so wie im Beispiel das Gemälde "Die Tänzerin" von Gustav Klimt.

Glasmacher Michael Jungwirt

Malerei Hans Breu

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