Bericht von der BIXL 2026 - Der Aufbruch geht weiter
- Holger Freese
- 6. Apr.
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 7. Apr.

Am vorigen Freitag fand - mittlerweile zum 24. Mal - die jährliche Verkaufsausstellung des Vereins Gläserner Winkel statt und wurde nach verheißungsvollen Ansätzen schon im vergangenen Jahr bei der BIXL 25 und dem neuen Snuff Glass Award der Firma Pöschl von der Sammlergemeinde mit Spannung und Vorfreude erwartet.
Nachfolgend möchte ich einen repräsentativen Querschnitt vorstellen, wobei ich ganz bewusst eine Auswahl aus sehenswerten Stücken der neuen Künstlergeneration (vornehmlich Glasbläser), aber auch neuartiger Arbeiten etablierter Glasmacher und -veredler getroffen habe.

Spektakulär die diesjährigen Beiträge von Michael Weinfurtner, der sich hier offensichtlich an venezianische Vorbilder (wie Césare Toffolo) heranwagt. Schön anzusehen, verläßt aber hinsichtlich Gebrauchsfähigkeit als Bixl herkömmliche Dimensionen.

Schon im vorigen Jahr wußte Océane Reintgen mit einer Torsokreation zu gefallen, diesmal in Farbglas mit Blütenkopf, aber auch ein elegantes, klassisches Behältnis rechts daneben

Extravagant ist die Neuschöpfung eines Luxskeletts auf Felsen von Anton Häusler, ein wahres Kunstwerk in der Sammlervitrine!

Aber auch für die eingefleischten Sammler klassischer Bixl wurde Neues geboten, vor allem Franz Straub begeisterte mit dem herrlich reduzierten Schliff eines Dreifach-Farbübergangs aus Urangläsern. Glasmacher ist Edi Mühlehner, einer der zum Glück noch vorhandenen Rohlingslieferanten!

Raffiniert ist auch das Bixl mit drei Verschlüssen von Max Schulhauser.

Höchst aufwändige Hochschnitte auf Gläsern von Stefan Raml zeigte Graveurin Miriam Witthaut

Aber dies ließ sich noch steigern, denn mit dem linken Uran-Bixl wagt sich Christian Straub an die anspruchsvolle Diatret-Technik, das hat natürlich seinen (berechtigten!) Preis

Von Thomas Kufner war man bisher klassische Schliffe in moderner Interpretation gewöhnt, seine neuen Stücke sind aber in ihrer künstlerischen Gestaltung völlig frei von Formzwängen.

Magdalena Paukner überzeugt mit modernen glasmacherischen Bixlformen, der "Kragen" ist zugleich Verschluß, bekrönt von vor der Lampe erschaffenen Frühlingssträußen.

Lisa Preußner gefällt wiederum mit einem formschönen Bixl, auf das kupfergalvanisierte Hortensienblüten appliziert sind. Gebrauchsfähig, dennoch ein reines Vitrinenstück!

Die Vernissage war -wie in allen Jahren- wieder sehr gut besucht und es wurden auch erfreulich viele "rote Punkte" geklebt!

Nach Ansprachen von Landrat Dr. Raith und Bürgermeister Eppinger wurde die BIXL von Glaskönigin Océane Reintgen (links im Bild) offiziell eröffnet.
Fazit:
Der frische Wind in der Szene der Glasschaffenden des Gläsernen Winkels setzt sich offenkundig fort und hat auch die etablierten Bixllieferanten beflügelt, neuartige Gestaltungsarten aufzugreifen und sich an aufwändige Techniken heranzuwagen.
Diese in erster Linie als extravagante Vitrinenstücke zu klassifizierenden Kunstwerke haben natürlich ihren Preis, wobei es den etablierten Glasveredlern (wie man hört) bereits auffällt, dass sie bei der Preisgestaltung gegenüber den "jungen Wilden" bald schon als zu zurückhaltend angesehen werden könnten.
Ob der Sammlermarkt die aufgerufenen Preise dauerhaft hergibt, darf angesichts der dramatischen Verschlechterung der Wirtschaftslage allerdings eher in Zweifel gezogen werden.
Dennoch können wir uns an dem in diesem Jahr Gesehenen rundherum erfreuen und wünschen der Zwieseler Glasszene weiter Erfolg in ihrer Neuausrichtung, was ja auch die Redner ausdrücklich unterstrichen und anerkannten.
Holger Freese
Im April 2026




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