Raffinierte Glasbläsertechnik, Teil 2 "Filacello"
- Holger Freese
- 7. Apr.
- 2 Min. Lesezeit
Zwei Jahre ist es jetzt schon wieder her, seit ich die "Dot-Stack-Technik" vorgestellt habe und dabei versprach, bei nächster Gelegenheit auch die Filacello-Technik des Glasbläsers Gabriel Felix aus Waging vorzustellen.
Gabriel Felix nahm dann 2025 am neu aufgelegten Snuff Glass Award der Firma Pöschl teil und gewann mit dem eingereichten Bixl in Filacello-Technik einen Preis in der Kategorie "Kunsthandwerk". Dieses Bixl (s. unten) konnte ich erwerben.

Das Bixl ist vollständig vor der Lampe entstanden, wobei das zentrale Medaillon separat in Filacello-Technik hergestellt und danach in das Bixl eingeschmolzen wurde. Die Herstellung eines solchen Medaillons wird nachfolgend dargestellt.

Filacello ist eine Fadenglastechnik, bei der ähnlich dem Reticello, überkreuzende Opakglasfäden aufgetragen und verdreht werden, wodurch ein gleichmäßiges Netzmuster entsteht. Erster Produktionsschritt (s. oben) ist die Herstellung dünner Glasfäden.

Am vorbereiteten Trägerglas werden zwei horizontale Begrenzungsfäden aufgebracht und ein Teiler markiert, zwischen dem dann diagonal verlaufende Fäden aufgeschmolzen
werden.

Wenn die Begrenzungen vorhanden sind, kann der Glasbläser die sich überkreuzendnen Fäden nach und nach aufbringen.

Auf diese Weise entsteht ein gleichmäßiges Netz

Bei Reticello entstehen zwischen den gekreuzten Fäden Luftblasen, beim Filacello können in die entstandenen Felder Farben eingeschmolzen werden.

Zum Schluß wird mit der rechten Hand ein Kristallstab angeheftet, um das entstandene Netz zu verdrehen und die Hohlform zu verschließen. Hier ist der Endzustand des Medaillons zu gut zu erkennen.

Um das Medaillon (unten) vom übrigen Trägerglas zu trennen, wird der Hohlraum bis zum Platzen aufgeblasen - ein faszinierender Moment

Nach dem Entgraten ist das Medaillon schon in seinem endgültigen Aussehen zu bewundern

Jetzt muss das Medaillon nur noch gleichmäßig rund gemacht werden - fertig
Das, was hier wie eine lockere und schnelle Folge von Arbeitsschritten erscheint, nimmt in Echtzeit 1 - 2 Stunden in Anspruch, denn Präzision geht vor Schnelligkeit! Nur eine wirklich perfekte Teilung des Medaillons hat die Chance zum Kauf angeboten werden zu können oder, wie hier, gar an einem Glaskunstpreis teilzunehmen.

Hier sind noch einmal Gläser beider vorgestellten Techniken gezeigt: Links Filacello-Gläser, rechts Dot-Stack-Gläser
Holger Freese
im Februar 2026
Artikel rekonstruiert im April 2026




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