Werkschau "Spektrum" mit Erwin Schmierer in der Galerie Kunsträume grenzenlos
- Holger Freese
- 7. Apr.
- 3 Min. Lesezeit

Mitten im Winter eine Sonderausstellung zu veranstalten barg die Gefahr, dass viele potentielle Besucher - noch dazu bei den momentanen Witterungsverhältnissen - den Weg nach Bayerisch Eisenstein scheuen würden. So auch ich, denn zur Vernissage am 11. Januar 2026 waren katastrophale Straßenverhältnisse angesagt. Bei meiner Absage versprach ich Erwin Schmierer aber, meinen Besuch schnellstmöglich nachzuholen. Also war ich am vergangenen Donnerstag im Wald und traf mich mit dem Künstler, der es sich nicht nehmen ließ, mir die Ausstellung persönlich vorzustellen.
Der Titel der Ausstellung - Spektrum - lässt schon erahnen, dass hier zwei breit angelegte Werkschauen ganz unterschiedlicher Künstler gzeigt werden sollen, nämlich Gemälde der tschechischer Künstlerfamilie Jan Samec (3 Generationen gleichen Vornamens!) aus Karlsbad und das glasbildnerische Werk Erwin Schmierers, das hier in seiner ganzen Vielfalt an Glasgußtechniken und Gravurarbeiten zu sehen ist.

Das Foto gibt einen schönen Eindruck davon wider, wie sich die ausestellten Kunstwerke ergänzen: Hier organische Abstraktion in geometrischer Strenge gefasst, dort ausdrucksstarke Glasplastiken, die auch beleuchtungstechnisch wunderbar präsentiert sind. Einmal mehr wird die sichere Hand des Kurators Sven Bauer sichtbar!

Aber fangen wir im Erdgeschoss an, denn für den Bixlsammler wurde dort eine Vitrine mit den wichtigsten Arbeiten Erwin Schmierers auf Schnupftabakgläsern zusammengestellt. Immer wieder zählte Erwin ja zu den Gewinnern des Gletscherprise-Glaskunstpreises der Firma Pöschl und auch diese preisgekrönten Gläser (bis auf die Diatret-Gläser) stehen jetzt zum Verkauf.

In den vergangenen 20 Jahren hat sich Erwin aber hauptsächlich mit Glasguss und seiner Veredelung befasst - eine sehr aufwändige Technik, bei der ein ausgearbeitetes Wachsmodelin mehreren Zwischenschritten (ähnlich einem Bronzeguss) zu einer Glasskulptur verwandelt wird. Es sind Kombinationen aus positiver und negativer Plastik, die durch Planschliffe zusätzliche Spiegelungen erfahren. Der Lichteinfall ist hierbei ein bewusst eingesetztes Gestaltungselement. Atemberaubend!

Unverkennbar handelt es sich bei dieser Plastik um den berühmten Don Quichote und das von außen einfallende Winterlicht tat unds den Gefallen, die Wirkung der Plastik dramatisch zu verstärken! Dass es sich um ein Halbrelief handelt, fällt aus dieser Perspektive überhaupt nicht auf.

Eine tolle Wirkung entfalten auch die sehr reduziert gestalteten Glasobjekte wie dieses Paar, das man je nach erwünschter Wirkung gegeneinander verdrehen kann, wodurch sich immer neue Farbeindrücke einstellen

Hier eine Kombination aus reduzierter Strenge des Glasobjekts mit figürlichen Elementen, was eine frappierende Tiefe erzeugt.

Hier ein schöner Eindruck davon, wie die Glasobjekte Schmierers mit den Gemälden der tschechischen Künstler harmonieren.

Der Triptychon "Vergebung" ist zumindest nach meiner Einschätzung wohl das bedeutendste Werk der Ausstellung, bei dem durch den Einsatz von Spiegeln eine geradezu verwirrende Wirkung erzielt wird. Der Titel lässt ahnen, dass Schmierer hier von tiefer Emotionalität bewegt war, aber schon äußerlich wird die metaphorische Absicht erkennbar.

Detail des Triptychons

Gerade das honigfarbene Glas erzielt eine wunderbar plastische Wirkung im Durchlicht und offenbart die große Meisterschaft des Künstlers. Die Tiefenwirkung wird hier auf der plangeschliffenen Rückseite erzielt!

Vergleichend hier die ausgearbeitete Vorderseite des Halbprofils

Aber auch eine Ausführung in Kirschrot erzeugt einen geradezu mystischen Effekt!

Ohne Worte

Die Arche Noah mit reich graviertem Segel; dahinter die heranrauschende Sintflut - wieder so ein Beispiel einer einfühjlsamen Komposition der Ausstellungsmacher

Kleinere Skulpturen runden die Werkschau ab
Fazit
Die Retrospektive auf das künstlerische Schaffen eines großartigen Graveurs, der in so vielen weiteren Techniken zuhause war, ist unbedingt sehenswert. Ich sage dies auchdeshalb, weil es nach Aussage des Künstlers seine letzte Ausstellung war, denn ErwinSchmierer muss seinen geliebten Beruf aufgrund eingetretener Berufsunfähigkeitaufgeben. Das schmerzt ihn selbst am meisten, aber auch wir Kunstsammler bedauern schicksalhafte Entwicklung und wünschen ihm für seine Zukunft alles Gute, in der sich auch eine neue Tür für die künstlerische Betätigung öffnen möge.
Es bleibt mir der Hinweis, dass (fast) alle Werke verkäuflich sind und Erwin Schmierer sich sicher sehr freut, wenn das ein oder andere Stück in guten Händen landet.
Die Ausstellung ist noch bis zum 26. April 2026 in der Galerie "Kunsträume grenzenlos" in Bayerisch Eisenstein zu sehen. Öffnung von Mittwoch bis Sonntag in der Zeit von 11 - 17 Uhr.
Holger Freese
Im Januar 2026
rekonstruiert im April 2026




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